Was Alleinerziehende von französischen Müttern lernen können

Als meine Schwester für 1-2 Wochen auf einem Seminar in Paris war und dadurch schon früh morgens das Alltagsgeschehen auf der Straße, in der Bahn und den Umgang von Familien mitbekam, erzählte sie mir als erstes nachdem sie wiederkam, wie auffällig Eltern (vor allem Mütter) mit ihren Kindern waren.

Wie auffällig POSITIV.

Damals hatte ich noch kein Kind, fand es aber hochinteressant.

Ihrer Aussage zufolge, hat ein Ausländer das Gefühl als „liefe es dort einfach richtig“ in den Familien:

Mit einer Gelassenheit steigen gut gekleidete und gepflegte Mütter mit ihren wohlerzogenen Kindern, früh morgens in die Bahn, um sie in die Krippe, den Kindergarten, oder zur Schule zu bringen und dann weiter zu ihrer Arbeitsstelle zu fahren.

Sie gehen ihrem Alltag, aber auch ihren persönlichen Interessen nach. Während die Kinder trotzdem nicht zu kurz kommen.

Kindererziehung wird dort, ganz offensichtlich, völlig anders betrieben als in Deutschland.

Es gibt dort keine Tyrannen die ihre völlig erschöpften Eltern beherrschen, sondern eine Nation, die ihre Kinder auf völlig natürliche Weise in den Erwachsenen-Alltag integriert, glückliche Kinder aufzieht und sich selber dabei nicht außer Acht lässt.

Als ich Jahre später dann von einem Buch  namens „Warum französische Kinder keine Nervensägen sind“ hörte, von Pamela Druckerman, war ich noch interessierter an den Geheimnissen Französischer Eltern.

Heute, Jahre später musste ich dieses Buch endlich haben. Eine Amerikanerin, welche mit ihrem Mann nach Paris zog und dort ihre Kinder bekam.

Als ihr auffiel, wie anders französische Kinder im Gegensatz zu ihren waren (gut erzogen und angemessen im Umgang mit Erwachsenen) und wie gut es den Müttern dort ging (Mütter die wie richtige Frauen leben und nicht wie gestresste, aufopfernde Roboter), recherchierte sie Jahre lang, um von ihnen zu lernen und es an andere hilflose Eltern weitergeben zu können.

 

Was ist bei französischen Kindern und ihren Müttern anders?

  • Französische Babys schlafen schon mit 6 Wochen durch
  • Die Mütter stellen sich selbst nicht hinten an, ändern ihr Leben nicht komplett, sondern integrieren von Anfang an ihre Kinder in IHREN Alltag. Nicht anders herum.
  • Französische Kinder können sich in Restaurants benehmen. Egal welches Alter, sie essen genau das selbe wie ihre Eltern (Es gibt keine Kindermenüs), egal ob 4-Gänge Menü, oder 2-Gänge.
  • Französische Eltern schreien ihre Kinder nicht an, setzen trotzdem eindeutige und regelmäßige Grenzen.
  • Die Kinder hören auf ihre Eltern und versetzen sie selten in Stresssituationen.
  • Die Kinder schreien nicht urplötzlich irgendwo herum und treiben ihre Eltern auch nicht in den Wahnsinn.
  • Die Kinder lernen früh, sich auch mit sich selbst zu beschäftigen.
  • Eltern verändern sich und ihren Alltag nach der Geburt der Kinder nicht komplett und geben ihr bisheriges Leben nicht auf.
  • Französische Mütter, sind trotzdem noch Frauen. Gut gekleidet, gepflegt und mit regelmäßigen eigenen Freizeitaktivitäten am Abend, im Alltag und mit Freundinnen.

Das alles geschieht nicht in liebloser Erziehung. Ganz im Gegenteil..

 

Was machen französische Mütter mit ihren Kindern anders als wir?

Kinder haben in Frankreich einen sehr hohen Stellenwert. Man hört ihnen aufmerksam zu und behandelt sie sehr liebevoll. Aber sie werden nicht so verhätschelt wie Amerikaner und Deutsche das unnötigerweise mit ihren Kindern tun.

Sie bekommen nicht übermäßig Aufmerksamkeit, mit der sie gar nicht umgehen können und die sie zu Tyrannen heranwachsen ließe. (so wie häufig bei uns zu sehen)

Es gibt einfach mit einer absoluten Selbstverständlichkeit Grenzen für Kinder.

Sie dürfen nicht über den Eltern stehen. Sie dürfen, laut der Franzosen, das Familienleben nicht belasten.

Daher verwundert es nicht, das Französinnen aus einer Schwangerschaft kein Forschungsprojekt machen und nach wenigen Monaten der Geburt ihr ganz normales Leben wieder aufnehmen und sich genauso Kleiden und verhalten, wie noch vor den Kindern.

Geschadet hat es dieser Nation nicht. Ganz im Gegenteil. Sie bekommen gerne Kinder. Und Kinder wachsen gut erzogen und mit Respekt vor den Eltern auf.

 

Tipps die man sich (vor allem als Alleinerziehende) von diesen Müttern zu eigen machen kann:

  • Von vornherein auf ganz natürliche und gelassene Weise warten lassen (nicht schreien lassen):

Sie (die französischen Eltern) rennen nicht sofort zu ihrem Kind, wenn dies etwas haben will oder Rum-krakehlt. Sie möchten das ihr Kind lernt mit Frustrationen um zu gehen und geduldig sein kann. Das Kind darf die Eltern nicht beherrschen.

Wenn Babys nachts schreien, lassen sie sie erst einmal warten, beobachten das Kind, um in den meisten Fällen festzustellen, dass es sich nach kürzester Zeit selbst beruhigen kann. Sie geben dem Kind die Gelegenheit eigene Sicherheit zu erfahren und wollen es beim „Schlafen-üben“ nicht stören. Deswegen schlafen die Kinder schon so früh durch.

  • Das Kind sagt uns nicht was es will, sondern wir sagen ihm, was es als nächstes gibt:

Kinder sind überfordert, wenn sie selber wählen und entscheiden sollen. Ein Kind kann nicht selber Entscheidungen treffen! Das ist die Aufgabe der Eltern. Nicht die Aufgabe eines Kindes.

  • Es gibt nicht ständig zwischendurch was zu essen:

Kinder werden also an einen Ablauf (an Regeln) gewöhnt und nicht nach Strich und Faden verhätschelt. Man ist nicht ihr Erfülls-Gehilfe. Sie werden in den Alltag der Erwachsenen integriert und nicht andersherum. Feste Esszeiten sind dafür eine Willkommene Übung der Franzosen. Dort gibt es kein Trösten-mit-Essen (Keks)

  • Liebe zum Kind, aber keine Partnerschaftlichkeit:

Ein Kind kann nicht partnerschaftlich auf der selben Ebene wie ein Erwachsener stehen. Dazu sind sie viel zu klein. (Passiert häufig Alleinerziehenden Müttern aus Schuldgefühlen)

Man überfordert sie damit komplett! Ein Kind muss ein Kind sein dürfen und ein Erwachsener muss das Kind führen. Nicht andersherum.

Nicht das Kind hat von vornherein vereinnahmende und terrorisierende Eigenschaften, sondern wir trainieren ihm all die belastenden Verhaltensweisen selber an!

Ich habe es selber ausprobiert und es klappt 🙂

Mein Kind schlief immer mit in meinem Bett. Leichter Schlaf und Rückenschmerzen also für mich.

Jetzt mache ich ihm auf gelassene Art und Weise klar, das dies mein Bett und jenes sein Bett ist und das es morgens zum kuscheln wieder rüber kann.

Wenn er dann noch länger ruft und nicht schlafen will, renne ich nicht sofort hin, sondern lasse ihn lernen mit einer gewissen Frustration umzugehen. Dann gehe ich max. nur ein paar mal hin, sag ihm dass ich ihn lieb habe und das es jetzt Zeit ist zu schlafen und das es morgen weitergeht. Ich diskutiere nicht und bringe ihm Geduld bei.

Wenn er dann nachts wach wird und weint, springe ich nicht sofort auf, wie sonst immer, sondern warte kurz ob er sich von allein beruhigt. Und wenn nicht, heb ich ihn nicht gleich hoch, sondern sag ihm ruhig das alles in Ordnung ist und das er weiterschlafen soll.

Wenn er dann was trinken will, sage ich ihm das es das morgen früh wieder gibt und jetzt Schlafenszeit ist.

Die erste Nacht ist er 2 mal wach geworden, hat es aber akzeptiert.

Die nächste Nacht wurde er nur einmal wach und ich konnte ihn mit der selben Vorgehensweise wieder zum schlafen bringen. Letzte Nacht wurde nur ich wach, weil ich nachschaue musste, ob alles in Ordnung ist 🙂

Ich bin mir sicher das wir ganz schnell in der nächsten Woche die Nächte am Stück haben werden und vor allem beide „alleine“ und in Ruhe.

 

Was Du als Alleinerziehende für euch beide besser machen kannst:

  • Gewöhne Deine Kinder -ganz natürlich- auch an andere Menschen. Du möchtest keine übermäßige Abhängigkeit schaffen und dem Kind frühzeitig vermitteln, dass auch Du ein Recht auf eigene Zeit hast.
  • Leg feste Schlafzeiten fest. Wenn Dein Kind zur Schlafenszeit immer noch Deine Aufmerksamkeit verlangt, dann mach ihm klar das jetzt „Deine Zeit“ heran gebrochen ist und das Dein Kind jetzt nicht mehr die volle Aufmerksamkeit erwarten kann, sondern schlafen muss.
  • Diskutiere nicht mit ihm und renn nicht sofort hin, wenn es schreit und Dich „verlangt“. Bring ihm Geduld und eine gewisse Frustrationstoleranz bei.
  • Lass dich nicht von Deinem Kind während eines Gespräches oder Telefonats einfach so unterbrechen. Sag „Warte bitte, ich bin gleich für dich da“ und wendest Dich wieder Deinem Gesprächspartner zu. Danach solltest Du dann aber wirklich für Dein Kind da sein und ihm zuhören, was es möchte.
  • Nicht zu häufig fragen „Möchtest Du dies.., möchtest Du das..?“ sondern dem Kind sagen, was als nächstes ansteht. Es muss geführt werden und darf nicht uns führen. Das gibt Deinem Kind Sicherheit. Und Dir übrigens auch. Denn es macht Deinen Alltag vorhersehbarer und leichter.

In Frankreich ganz selbstverständlich: Erst die Mutter, dann das Kind.

Was auch logisch ist. Keiner kann glückliche Kinder erziehen, wenn er ihnen das Glück nicht selber vorleben kann. Und es tut niemandem gut grenzenlos und mit vollster Aufmerksamkeit aufzuwachsen, um später dann ein arroganter unerzogener Mensch zu sein, der im Alltag und im Umgang mit seinen Mitmenschen nicht klar kommt.

Was ich sagen will: Keine Angst davor Dein Leben wieder aufzunehmen!

Du darfst es nicht nur, sondern Deinem Kind, Dir und der Gesellschaft gegenüber MUSST Du es sogar.

Sei glücklich und nimm Deine menschlichen Rechte und Bedürfnisse war. Ganz selbstverständlich und auf natürliche Art und Weise. So wie es uns die französischen Mütter schon erfolgreich vormachen.

Ich wünsche mir so sehr, das Du für Deinen Alltag etwas richtig Gutes hieraus ziehen kannst.

Viel Erfolg dabei 🙂

Deine-Frauke

 

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